Ästhetische Eigenzeiten – Zeit und Darstellung in der polychronen Moderne

Zeit und Form im Wandel. Goethes Morphologie und ihr Nachleben im 20. Jahrhundert

Eva Geulen (ZfL/HU Berlin)

Teilprojekte Phase: 1. 2.

Zeit und Form im Wandel. Goethes Morphologie und ihr Nachleben in der Theoriebildung des 20. Jahrhunderts

Die Rezeptionsgeschichte von Goethes Morphologie ist durch Mandelkow und andere vorbildlich aufgearbeitet worden. Allerdings herrscht bis heute eine gewisse Berührungsscheu (oder auch: eine allzu einhellige Meinung), was die Möglichkeit einer eher unterirdischen Rezeption von Goethes Theorie verzeitlichter Form in der Theoriebildung des 20. Jahrhunderts betrifft. Allzu oft wird der explizite oder implizite Verweis auf Goethe nach der ›Grundlagenkrise‹ der Naturwissenschaften zu Beginn des 20. Jahrhunderts über den Leisten eines holistisch-monistischen Gestaltverständnisses geschlagen, das kompensatorisch, apotropäisch gegen krisenhafte Modernisierungserfahrungen geltend gemacht worden sei.

Ein anderes Bild ergibt sich, wenn man Goethes Morphologie im Aspekt der Wandlungen des Form-Begriffs im 20. Jahrhundert bis hin zu Luhmann betrachtet. Das Projekt gilt der interdisziplinären Erforschung dieser weitgehend latenten Wirkungsgeschichte. Erwartet werden alternative Perspektiven auf die Genealogie der Theoriebildung im Aspekt der Form. In dieser Perspektive gehört die geläufige Unterscheidung zwischen strukturalistischen und ›ganzheitlichen‹ Ansätzen ebenso auf den Prüfstand wie die Gegenüberstellung von 1800 und 1900. Auf dem Spiel stehen damit alternative Beschreibungen der Moderne und der Genese der Theorie im 20. Jahrhundert.